ARTPROFIL MAGAZIN FÜR KUNST, Heft-Nr. 107-2015

 

Emö Simonyi: Explosive Szenarien der Austreibung innerer Dämonen

Ausstellung Malerei und Zeichnung vom 22.02. bis zum 26.04.2015 in der Diefenbachstraße 2, München

Emö Simonyi: Vivarium

Emö Simonyi; Vivarium; 2008, Farbtusche auf Papier, 29 x 38 cm @ Emö Simonyi

Wie Illustrationen zu einem Film über unseren mythologischen Bildervorrat, von der biblischen Sintflut über die antiken Sagen bis zu den zeitgenössischen Flutkatastrophen, hat Simonyi ihre aufgewühlten und aufwühlenden Figuren und Themata auf den Bildflächen ihrerTafelmalerei ausgebreitet. Ihre ganz und gar nicht bukolisch beschriebenen Szenarien haben denn auch bei ihren Ausstellungen immer wieder zwar begeisterte, aber auch verstörte Reaktionen bei Publikum und Presse gezeitigt.
So findet der Rezensent ihrer Ausstellung in der Galerie Reinhard in der Giessener Allgemeinen 2010 bewundernde – und, wie ich meine, zutreffende – Worte: „Sie verbindet höchste handwerkliche Stilsicherheit mit famoser Ausdruckskraft und einer inhaltlichen Radikalität, die in das Wesen der Menschen schaut wie in einen Abgrund“.
Andere, die auf ihr Werk treffen, sehen sogleich „brutale Akzente“, hervorgebracht durch die „inneren Dämonen“ der Künstlerin, vergleichen die Begegnung mit ihren Werken mit den Albträumen Goyas, wie ihr Kollege Eckhart Froeschlin, mit dem sie in der Städtischen Galerie Sindelfingen 2005 eine gemeinsame Ausstellung bestritt, die durch beider mutigen Zugriff des Themas der Ausgesetztheit menschlicher Existenz und den begleitenden Texten im Katalog der Ausstellung deutliche Spuren hinterließ.

Emö Simonyi: Karneval I

Emö Simonyi; Karneval I; 2007, Mischtechnik auf Papier, 30 cm x 41 cm @ Emö Simonyi

Emö Simonyis Kunst, wie sie in diesen kompromisslosen Gestaltungen ihrer Malerei und in den noch wesentlich härter formulierten Zeichnungen ausgedrückt sind, ist sicher keine, die das Zeitalter der Medien unmittelbar reflektiert. Die unzeitgemäße Typologie ihrer Bildsprache macht sie aber für mich – und für viele andere Kollegen fern des notorischen lifestyles im gegenwärtigen Kunstgeschehen - so besonders attraktiv. Nachfolgeversuche zu Pop Art, Minimal Art, Concept Art oder American Expressionism sind ausgeblendet. Emö Simonyi ist von einer ganz anderen Traditionslinie der Malerei und der Zeichnung erfasst. Es sind einerseits Bildphantasien von Max Beckmann, wie sie etwa in dessen „Die Sintflut“ von 1908 und „Der Untergang der Titanic“ von 1912/3 gestaltet sind, also im Bannkreis der deutschen Expressionismus, aber doch einen eigenen Weg schaffend, und von Francis Bacon, dessen Werk sie in London kennen gelernt hat und der sie entscheiden geprägt hat ( wie bei Bacon zu sehen etwa in seiner Studie zu einem Porträt von van Gogh von 1957, mit damals noch differenzierten Hintergrundabstufungen der Landschaft ). Da war sie auf den – zusammen mit Lucian Freud - zweifellos größten Außenseiter heutiger Kunst getroffen. Sie reihte sich außerdem ein in die Tradition, die mit der Körperdarstellung der Renaissance, etwa mit Luca Signorellis „Die Verdammten“ im Dom von Siena, mit El Grecos Leibern, mit denen in Michelangelos Weltgerichts-Fresko in der Sixtinischen Kapelle bis zu Rubens grandiosem Gemälde „Der Höllensturz der Verdammten“, ihr zum Maßstab wurde.
Es ist die Last der Zeiten, die Emö Simonyi in der Kunst spürt wie wenige andere, die sie veranlasst hat, geradezu „Unheil abwendende Bilder des 20. Jahrhunderts“ zu erschaffen. Dies hat schon 1993 die Kunstkritikerin der Süddeutschen Zeitung, Doris Schmidt, in einem Essay apostrophiert. Diese hatte die explosive Kraft in Simonyis Bildern, die Werke solchermaßen beschrieben:: „Viele bersten geradezu vor den Fleisch gewordenen Schreckensgespenstern ihrer aufmerksam wahrnehmenden Phantasie“.
Vor diesem stilistischen und erzählerischen Typenhorizont soll hiermit auf das, auf eine paradoxe Weise so unzeitgemäße wie aktuelle Werk von Emö Simonyi hingewiesen werden.

Elmar Zorn

 

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Emö Simonyi; Vergelle; 2007, Mischtechnik auf Papier, 21 cm x 30 cm @ Emö Simonyi


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